WINNIE-THE-POOH  —  A personal Story  

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       — A personal Story (1) —



Was um alles in der Welt, so werden sich manche fragen, hat es mit meiner Begeisterung für Winnie-the-Pooh denn nun eigentlich auf sich? — Ich möchte Licht ins Dunkel bringen und beginne damit hier und jetzt:
 Williams — Jugendheft 1947
Eines Tages, ich war wohl etwa 11 oder 12 Jahre alt, bekam ich die erste deut­sche Nachkriegs­ausgabe von "Pu der Bär" [▶AUDIO-LINK] in die Hände, die einst meiner Mutter gehörte: ein aufgrund da­mals fehlender Materi­alien einfachst produziertes "Williams-Jugendheft" vom August 1947 (Williams&Co.Verlag, Berlin). —
Die Original­größe dieses (lediglich mit zwei einfachen Heft­klammern gebun­denen) Heftes entspricht einem über die normale Buchgröße hinausgehendem Format von exakt 22×30,3 cm.

Die Geschichte mit ihren hübschen Zeichnungen, die mir wie aus einer anderen Welt schienen, begeisterte mich derart, daß ich im Jahre 1976 sogar anstrebte, neue eigene Abenteuer von "Ferkl" (Pooh's kleinem ängstlichen Freund) zu erzählen — und zwar in Comic-Form. Abgesehen von einigen Ansätzen (siehe hier eine der wenigen erhaltenen Abbildungen) ist das Projekt aber wieder eingeschlafen.

 "FERKL" — meine Zeichnung von 1976
1978 bereiste ich erstmals England und Schottland und kaufte mir eine Original­ausgabe von A. A. Milne's "Winnie-the-Pooh" in Taschenbuchform. 1982 bei meiner dritten Reise folgten "The House at Pooh Corner" sowie eine anti­quarische Ausgabe von "Now we are Six" (Cheap Edition, 1942) und etliche weitere ein­schlä­gige Bücher zum Thema. —

Angekommen in der schott­ischen Hauptstadt Edinburgh besuchte ich am 8.9.1982 schließlich eine Theater-Aufführung in den Assembly Rooms mit dem Titel: "Bother – an Hour with Pooh or more­...bother!". Der bekannte Film-, TV- und Bühnen-Schauspieler Peter Dennis trug hier die Pooh-Geschichten mit den ent­sprechenden Stimmen der Figuren vor. Ich war allerhöchst begeistert! —

 »BOTHER! AN HOUR OR TWO WITH POOH OR MORE. BOTHER!«  |  Eintrittskarte vom  8.September 1982
Aus meinem Tagebuch:

"In einer einzigartigen Weise werden die lustigen und manch­mal traurigen Texte und Dialoge vorgetragen. Dabei bekommt je­des Tier und Christopher Robin, der Junge, seine eigene Stimme. Die tiefste hat Pooh der Bär, die höchste Piglet das Ferkel. Die traurigste Eeyore, der Esel. Die Verfassung dieses Tieres wird durch die Stimme und die Ge­bärden noch unterstrichen. —

Peter Dennis hat zwar die in Leinen gebundenen Bücher auf seinem Pult liegen und nimmt das entsprechende immer zur Hand, aber weite Teile des Textes spricht er auswendig (ich bin sicher, er kann alles), um der Gestik mehr Raum zu verschaffen. (...)

Am Schluß liest Mr.Dennis die letzte Geschichte aus dem zweiten Band, welche ich schon überflogen hatte. Das Publikum ist begeistert und zollt es denn auch mit langem Applaus. (...)

Nach der Lesung gibt Peter Dennis noch Autogramme auf den Plakaten. Ich lasse mir auch eines schreiben; er widmet es mir sogar. Als ich sage, daß ich aus Deutschland komme, fragt er gleich, ob ich auch alles verstanden habe, worauf ich ihm antworten kann, daß ich eine großformatige deutsche Ausgabe besitze, aus dem Jahr 1948 etwa. Er habe die gleiche, sagt er und freut sich, daß es mir gefallen hat, drückt mir die Hand und wünscht mir noch schöne Ferien."


 Peter Dennis presents  »BOTHER!«  |  Plakat 1982
Der Hintergrund: Anlässlich des 50.Ge­burts­tags von Pooh im Jahr 1976 gab Peter Dennis eine impro­visierte Lesung an der Universität Cambridge und war verblüfft, vor einem vollen Haus auf­zutreten. Seine Show "Bother!" – benannt nach einem Lie­blingsausruf von Pooh – war geboren. Peter Dennis trat damit über viele Jahrzehnte an mehr als 100 Orten in aller Welt auf. —
Auf seiner Homepage kann man die unzähligen Kritiken nachlesen zu Bother!. — Auch Christopher Milne empfahl: "So if you want to meet the real Pooh, the bear I knew, the bear my father wrote about, listen to Peter. You will not be disappointed."
[▶AUDIO-LINK]

Im Alter von 75 Jahren ist Peter Dennis in Los Angeles am 18.April 2009 verstorben. Die Los Angeles Times veröffentlichte einen netten Nachruf auf ihn.

 Zwei Zwei 50er–Jahre–Poohs ...
Maus drüber!
Es erscheinen abwechselnd zwei 50er-Jahre-Poohs.
 
Einen Abstecher zu den Origi­nal­schauplätzen der Pooh-Ge­schich­ten in Sussex machte ich damals leider nicht. Auch ein Besuch bei Christopher Milne in seinem "Harbour Bookshop" in Dart­mouth kam mir nicht in den Sinn — ich bereue das bis heute!

Erst Anfang Januar 1996 lebte das Interesse wieder auf, als ich mich daran machte, die nun 14 und 18 Jahre alten Taschen­bücher aus England zu restau­rieren — eng­lischer Buch­leim hält nicht lange, wie ich feststellte: er lässt das Buch nach wenigen Jahren in der Bindung auseinanderbrechen...!

Es tauchte nun die Frage auf, welche anderen Originalausgaben es wohl noch antiquarisch geben möge? Und was würden die heute kosten? Ich begann Kontakt aufzunehmen mit englischen Antiquariaten — mit Erfolg: bis heute besitze ich von A. A. Milne's Kinderbüchern folgende Auswahl:

 
 Seinen 80.Geburtstag feierte WINNIE-THE-POOH im Jahre 2006 !
Am 14.Oktober 1926
erschien die erste Ausgabe von Winnie-the-Pooh in den Buchhandlungen!
34 englische,
1 Manuskript-Repro,
1 schottische,
27 deutsche,
1 DDR-,
1 hessische,
2 schweizer,
3 holländische,
8 amerikanische,
1 kanadische,
1 tschechische,
1 ungarische,
1 polnische,
2 russische,
2 lateinische,
1 hebräische und
1 Ausgabe in Esperanto!


 
Hinzu kommen viele Sekundärmaterialien wie z. B. sämtliche Autobiographien von A. A. Milne, Christopher Milne und E. H. Shepard u.v.a.m.
 »When We Were rather Older«

Und die Begeisterung hält weiter an — noch habe ich nicht "alles" in meiner Sammlung!

Eine interessante Errungen­schaft ist z. B. die Erst­ausgabe von "When We Were rather Older" von Fairfax Downey aus dem Jahr 1926 (Minton, Balch & Company, New York), eine Parodie auf A. A. Milne's erstes erfolg­reiches Kinder­buch, mit Zeichnungen von Jefferson Machamer. Herrlich! — Die Erstausgabe vom März 1926, die ich seit dem 8.2.1999 besitze, ist sogar mit persönlicher Widmung versehen und signiert vom Zeichner Jefferson Machamer.

Oder eine meiner außergewöhnlichsten Erwerbungen für die Sammlung, die einzige lizenzierte russische Ausgabe: "Vinni-Pukh i vse-vse-vse" ("Winnie-the-Pooh and All-All-All"). Herausgegeben und gedruckt bei Dutton, New York 1967.

 »Vinni-Pukh i vse-vse-vse«
Übersetzer ist Boris Zakh­oder. Verwendet werden neben einer eigenständigen Titelillustration auch völlig neue, aber von E. H. Shepard inspirierte Text­zeichnungen und -tafeln der beiden Künst­ler B. Diodorov und G. Kali­nov­skiy. — Der Geist des Originals bleibt dabei aber auf wun­der­same Art und Weise erhalten ...

Einer der letzten Zugänge zur Sammlung ist ebenfalls recht bemerkenswert: Es handelt sich um ein im Kriege pro­duziertes Heft für die ame­rikanischen Kinder mit dem schlichten Titel "WINNIE THE POOH" by A.A.Milne.

 »WINNIE THE POOH« (1944)

Die Zeichnungen stammen jedoch von Mary und Wallace Stover, versehen mit der informativen Er­gänz­ung: »after J.H.DOWD« (siehe hierzu meine dritte Pooh-Seite). Man hat sich also die frühen Zeich­nungen des Punch-Künstlers zum inspirie­renden Vorbild ge­nommen und die aus­schnitt­weisen Beispiel-Geschichten damit illustriert. — Als Zu­gabe ist eine Episode aus dem Buch "The Toy Bear­kins" von John H.Jewett enthalten; diese stammt wohl aus dem Jahr 1900. — Erschienen ist das schöne Heft bei Perks Publishing in New York im Jahre 1944 (!).

Habe mich sehr gefreut, als ich es Anfang 2014 anti­quarisch aus den U.S.A. bekam!

 Die hebräische Ausgabe von  »WINNIE THE POOH« (1976)
Auf meiner permanent anhaltenden Suche nach außergewöhnlichen Pooh-Buchausgaben bin ich zuletzt auf etwas äußerst seltenes gestoßen: eine in Israel ge­druckte Ausgabe von "Winnie-the-Pooh" in hebräischer Übersetzung und ebensolcher Schreibweise! — Das Buch heißt also "פו הדב" und wurde 1964 in Israel erstveröffentlicht. Meine spätere Ausgabe stammt aus dem Jahr 1976, ist gut erhalten und liest und blättert sich von rechts nach links! — Am 26.März 2021 erreichte mich die freudige Post­sendung aus Haifa.

Übrigens: auch während meiner Reisen nach Süd­england im August 1999 sowie im August 2007 habe ich natürlich eine ganze Reihe weiterer Bücher er­stan­den — paradiesische Zustände für Buchliebhaber!
Im berühmten Ort Royal Tunbridge Wells in der Grafschaft Kent habe ich ein außerordentlich schönes Antiquariat aufgesucht — HALL'S BOOKSHOP. Genau hier an dieser Stelle entstand im Jahr 2012 der Kurzfilm THE LAST BOOKSHOP, eine Hymne auf jene nach und nach verschwindende Kultur-Institution ...

 A.A.Milne, Christopher Robin Milne & Pooh  (1926)

Die Beschäftigung mit den Biographien von Vater und Sohn Milne ließen eine weitere Frage auftauchen: Was macht Christopher R. Milne heute? Wie steht er heute, 40 Jahre nach dem Tod seines Vaters, zu des­sen lite­rarischen Werken?
Als ich mich Mitte April 1996 mit dem Gedanken trug, ihm wenigstens mal zu schreiben und diese Fragen zu stellen, stoppte das Schicksal dieses Vorhaben abrupt: am 20. April 1996 starb Christoph­er R. Milne in seiner Heimat in Devon/Südengland — aus und vorbei.

Ich war traurig und deprimiert. Jedoch, meine Kontakte zu englischen Antiquariaten entschädigten mich noch im selben Jahr: ich erstand eine gebundene Ausgabe von Christopher R. Milne's Autobiographie "The Enchanted Places" (1974) mit einer Original-Widmung! — Im Jahre 1999 kam dann eine Ausgabe von "The Path through the Trees" (1979) hinzu, die ebenfalls vom Autor signiert ist. Und da alle guten Dinge drei sind, erstand ich schließlich im Februar 2008 noch die PENGUIN-Taschenbuch-Ausgabe von "The Enchanted Places" (1977). Alle drei Bücher hat Christopher Milne in seinem "Harbour Bookshop" in Dartmouth signiert.

Epilog: Paula T. Connolly umriss ziemlich genau in ihrer wissenschaftlichen Arbeit über "Winnie-the-Pooh" ("Recovering Arcadia", Twayne Publishers Inc., New York 1994), um was es schlussendlich eigentlich geht: die Hoffnung zu hegen, man möge eines fernen Tages doch noch Arkadien, diesen Schauplatz glückseligen, idyllischen Landlebens für sich persönlich erreichen — in welcher Form auch immer!

 
 »WINNIE-THE-POOH« — Originalausgabe von 1926

Pu der Bär feierte seinen
90.Geburtstag:
Am 14.Oktober 1926 erschien in England A. A. Milne's zweites Kinderbuch bei Methuen & Co. Ltd., London, welches zweifellos das schönste der Welt ist: "Winnie-the-Pooh".
35.000 Stück zählte allein die Startauflage. Bis zum Jahre 1968 wurden 959.000 ge­bundene Ausgaben und 600.000 Paperbacks verkauft. Die Verkaufszahlen nach nunmehr 90 Jahren gehen weltweit in die Millionen.

Die Original-Ausgaben von "Winnie-the-Pooh" aus den 20er Jahren sind heute immer noch zu bekommen, werden aber teuer gehandelt: zwischen 2.000 und 8.000 Euro liegen inzwischen die Preise für eine gut erhaltene Erstausgabe mit Schutzumschlag. Ist das Buch zudem noch von A.A.Milne und E.H.Shepard signiert, kann es leicht an die 20.000 Euro und mehr kosten ...

Eine gute Chance, an seltene Original-Ausgaben zu kommen, eröffnet sich hier: Das Londoner Antiquariat von Peter Harrington bietet im Internet wunderschöne Buch­ausgaben zum Verkauf an!

Die internationale Verbreitung der Pooh-Bücher ist groß — es gibt über 50 Übersetzungen. Hier einige von Pooh's Namen in der jeweiligen Landessprache:

  WINNIE-THE-POOH  England u. Amerika
 »Für meine 90 Jahre bin ich noch recht munter!« PU DER BÄR  Deutschland
WINNIE L'OURSON  Frankreich
ΓΟΥΙΝΙ ΤΟ ΑΡΚΟΥΔΑΚΙ  Griechenland
PELUCHE PUH  Spanien
URSINHO PUFF  Portugal
WINNIE DE POEH  Holland
NALLE PUH  Finnland u. Schweden
OLE BRUMM  Norwegen
PETER PLYS  Dänemark
BANGSÍMON  Island
ВІННІ ПУХ  Ukraine
KUBUŚ PUCHATEK  Polen
MEDVÍDEK PÚ  Tschechien
MICIMACKÓ  Ungarn
МЕЧО ПУХ  Bulgarien
ВИННИ-ПУХ  Russland
KARUPOEG PUHH  Estland
MIKĖ PŪKUOTUKAS  Litauen
פו הדב  Israel
ويني-ذا-بوه  Arabien
วินนี่ เดอะ พูห์  Thailand

Übrigens: Zum 84.Geburtstag von "Winnie-the-Pooh", im Oktober 2010, gab die Royal Mail eine Serie von zehn Sonderbriefmarken heraus. Als Prä­sentation­sort auserkoren wurde Christopher Milne’s Habour Book­shop in Dartmouth. — 
Auf der Webseite CollectGBStamps werden die Marken im Detail vorgestellt; ebenso die schönen Schmuck­blätter, die man zusätzlich herausgegeben hat.

 

 Pooh + Piglet walking to Arcadia ...
"Pooh and Piglet walking to Arcadia ..."


© 1999 – 2023 by Achim Schmidtke
(Text, Design und die Zeichnung von "Ferkl",
sowie das animierte GIF-Logo "80 Jahre Pu der Bär")

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